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Zerrissen

Gastbeitrag von Kathi Michelsen

Das Leben ist so bunt, wie du dich traust, es auszumalen.

Genau das haben wir versucht umzusetzen. Denn das Leben ist nicht immer schön, es gibt auch mal dunkle Tage, die uns wachsen lassen. Bei dem einen mehr und bei dem anderen weniger.

Vorletztes Jahr lernten Anna-Lena und ich uns in Kiel auf einem Foto- MeetUp kennen, seitdem folgen wir uns auf Instagram. Anfang 2020 trafen wir uns auf einem anderen Foto- MeetUp in Kiel wieder und kamen erst da so richtig ins Gespräch. Bei dem darauffolgenden MeetUp erzählte mir Anna-Lena von einer Idee, die sie gerne umsetzen wollte und dies gerne mit mir. Ich war sofort Feuer und Flamme und wir machten einen Termin aus. 

Foto: Florian Hamann

Die Idee:

Negative Gefühle feat positive Gefühle

 

Das Leben sollte eigentlich bunt sein mit positiven Gefühlen wie Liebe, Mut, Freude, Wahrheit. Es sollte sich schön anfühlen, wir sollten uns schön fühlen, glücklich sein! Zumindest wäre das die Traumvorstellung und in der Welt von Social Media wird es auch so nach außen getragen.

 

Doch gibt es auch mal Zeiten im Leben, die eher dunkel sind durch negative Gefühle wie Angst, Hass, Wut, Schmerz, Erschöpfung, Selbstzweifel geprägt. Man fühlt sich mal schwach, wertlos und auch Beleidigungen und Mobbing spielen immer mehr eine Rolle dabei.

 

Diese Zeiten im Leben werden oft versteckt, es wird eine Maske aufgesetzt, denn man möchte nicht angreifbar sein und als schwach abgestempelt werden. Bei manchen ist es nur ein Moment, bei manchen eine Phase, aber bei manchen auch eine psychische Erkrankung.

 

Auch ich habe jahrelang eine Maske getragen, wollte mich nicht verletzlich zeigen, gerade nachdem ich nach einem Autounfall erfahren habe, dass ich psychischen Erkrankungen habe. Ich habe mich dafür geschämt, mich schwach gefühlt und meine Seele zerbrach immer mehr daran. Vor zwei Jahren dann die Wende, ich habe angefangen auch öffentlich über meine Probleme zu reden, denn negative Gefühle sind menschlich und gehören zum Leben dazu. Es hilft mir darüber zu reden, mich mit anderen auszutauschen, sich nicht alleine damit zu fühlen. Zudem besuchte ich eine Klinik und habe seitdem Therapie. Mir ist bewusst, dass meine psychische Erkrankungen mich womöglich ein Leben lang begleiten werden, aber mir ist es wichtig zu lernen, damit umzugehen und das die Gefühle & Gedanken mich nicht mehr immer so stark aus der Bahn werfen.

 

Und genau diese Gegensätze der Gefühle wollte wir mit zwei Paintings umsetzen und deutlich machen. Denn Anna-Lena hat genau das bei mir auf Instagram mitbekommen, dass ich offen über meine Probleme rede und deswegen dachte sie bei ihrer Idee an mich.

 

 

Foto:  Florian Hamann

Der Tag der Umsetzung:

 

Am Freitag den 13. war es dann soweit, ich machte mich auf den Weg nach Kiel zu Anna-Lena. Obwohl ich nur ein paar Bodies in schwarz und weiß mitbringen sollte, brachte ich gefühlt meinen halben Kleiderschrank mit. Ich bin halt eine Person, ich habe lieber zu viel dabei, als zu wenig, um auch gewappnet zu sein. Ihr werdet es später noch mitbekommen. Naja, dadurch stimmte aber die Harmonie sofort zwischen uns und wir fingen an uns passende Schlagwörter für die zwei Paintings zu überlegen. Was sich doch echt in die Länge zog, weil wir einfach zu viele gefunden haben und dann aussortieren mussten. 

Painting Nr.1

Es ging los mit dem ersten Painting, wofür ich mir eine schwarze Nylonstrumpfhose mit einem schwarzen Body anzog, der Spaghettiträger hat und am Rücken tief geschnitten, sodass viel Platz für das Painting ist. Anna-Lena zauberte mir zuerst ein MakeUp mit dunklen Augen und machte mir dann meine Haare in einem strengen Zopf zurück. Mein Tattoo auf dem Rücken deckte sie ab und startete mit dem Painting auf meinen Rücken, Armen und Dekolette. Painting Nummer 1 sollte die Seite der negativen Gefühle und Beleidigungen mit gerader, schwarzer Schrift darstellen.

 

 

Shooting Nr.1:

Painting Nr. 1 war ready und Anna-Lena ließ die Fotowand runter, stellte das Licht auf und ich setzte mich auf dem, Boden in Pose. Wir wollten, dass ich die verletzliche Seite von mir darstelle, die in sich gekehrt & schwach ist. Natürlich sollte auch das Painting dabei gut zu sehen sein. Ich habe mich sehr schnell in die Situation hineinfühlen können und somit waren schnell mehrere Bilder davon im Kasten.

 

 

Painting Nr.2:

Bevor Anna-Lena mich neu bemalen konnte, musste ich die Schrift von Painting 1 erstmal abbekommen. Das klappte aber dann sehr gut mit Kokosöl. Danach zog ich mir einen goldenen Body an, da meine weißen Bodies uns irgendwie nicht gefallen haben. Zum Glück hatte ich ja etwas mehr Auswahl dabei. Sie drehte mir meine Haare mit Lockenwicklern ein, frischte mein Makeup mit farbigen Akzenten auf und legte mit dem Painting los. Painting Nummer 2 soll die Seite der postiven Gefühle mit bunter Schnörkelschrift darstellen. Hinzu kamen noch bunte Farbakzente, goldene Aufkleber und Papp-Schmetterlinge. Ich fühlte mich wie eine Blume. Dann kamen die Lockenwickler raus und ich hatte einen Kopf voller schöner Locken. Shooting Nummer 2 war also startklar.

 

 

Shooting Nr.2:

Im Vergleich zu der verletzlichen Seite dauerte es etwas, bis ich mich in die positive Emotion hineinversetzen konnte. Wir wollten ein Bild, welches Fröhlichkeit und Freude ausstrahlt, am besten mit einem Lächeln oder Lachen. Da ich jahrelang nicht gerne in eine Kamera gelacht habe und wenn dann nur ein gestelltes Lachen, fiel es mir erst echt schwer, aber zum Glück habe ich die Kurve bekommen und es sind einige tolle Bilder entstanden, die genau das ausdrücken, was wir uns vorgestellt haben.

 

 

Es war ein echt wunderbarer Tag ! ich glaube 10 Stunden haben wir gemeinsam verbracht und diese Paintings zusammen umgesetzt. Ich kann mich voll und ganz damit identifizieren und fühle mich immer noch geehrt, dass Anna-Lena mich für die Umsetzung ihrer Idee wollte. Ich freue mich auf weitere Umsetzungen unserer Ideen <3

 

 

Foto: Hendrik Buttler


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Kommentare: 2
  • #1

    Moni (Donnerstag, 11 Februar 2021 21:43)

    Ein sehr schöner Beitrag Kathi� er zeigt, dass jeder sogenannte 2 Gesichter oder eine Sonnen- aber auch eine Schattenseite hat. Die eigene Schattenseite publik zu machen und dort auch ganz klar Stellung zu beziehen, erfordert einigen Mut. Denn über negative Seiten/ Dinge wird im allgemeinen doch gerne von anderen gesprochen �

  • #2

    Stachellyart (Sonntag, 14 Februar 2021 21:11)

    Das finde ich auch. Sie hat das so schön geschrieben :)